Eine Premiere, ein Jubiläum und eine Wettfahrt mit 75% Verlust – mit der Hoppetosse zum Herbsttreffen der Gaffelsegler

Gaffelsegler Elbe

03. Oktober, 25 Grad, Sonnenschein, Segeln mit kurzer Hose und T-Shirt. Nein – ich befand mich noch nicht auf den Bahamas, sondern mitten im goldenen Herbst auf der Unterelbe.

Ich war auf dem Weg zum Herbsttreffen der Gaffelsegler, es war das 40. Jubiläum. Mein letzter Törn der Saison 2014 führte mich daher nach Glückstadt, das alljährlich Gastgeber für die Flotte der gaffelgeriggten Segelschiffe ist, die aus Plattbodenschiffen holländischer oder „elbhistorischer“ Bauart, englischen Smakken, Cornish Crabbern und kleinen, meist hölzernen Yachten besteht.

Der Tag startet mit einer Premiere

Der Tag startete wie aus dem Bilderbuch. Zum Saisonabschluss traute ich mir ein einhändiges Ablegemanöver unter Segeln aus dem Hamburger Yachthafen zu. Der Wind stand so, dass ich noch am Liegeplatz im Wind stand und die Segel setzen konnte und mich dann mit nur einem kleinen „Motorschubser“ rückwärts aus der Box schieben lassen konnte. Danach fiel ich ab und segelte ganz langsam durch das Hafentor. Aus Sicherheitsgründen bei dieser Premiere für mich ließ ich den Diesel noch im Leerlauf mitlaufen. Die Strömung an der Wedeler Hafeneinfahrt setzt oft sehr stark in Querrichtung. Da ich am Mittag kurz nach Hochwasser Schulau ablegte, war das an diesem Tag allerdings kein Problem, so dass die Schraube nicht mehr zum Einsatz kam und ich mich über mein erstes geglücktes, einhändiges Ablegemanöver unter Segeln freute.

Auf geht’s nach Glückstadt!

Der Wind reichte gerade eben aus, um die Segeln im Schmetterling, das Groß zur einen – die Fock zur anderen Seite, stehen zu lassen. Die Tide lief ordentlich mit – ich hielt mich möglichst weit in Fahrwassermitte auf, wo das ablaufende Wasser durch die tiefe Rinne die größte Strömungsstärke aufbauen kann.

An diesem Feiertag der deutschen Einheit war eine Menge los auf der Unterelbe. Viele Segler und natürlich auch Motorbootfahrer waren zum letzten verlängerten Wochenendtörn der Saison aufgebrochen.

Nach fünf Stunden sehr langsamer Fahrt, kaum mehr als die Strömungsgeschwindigkeit kam ich in Glückstadt an und legte mich in vierter Reihe an ein Yacht Päckchen an die Stege der Seglervereinigung Glückstadt.

Am Abend gab es Speis und Trank in der Gaststätte auf der Mole und für alle Teilnehmer einen Glückstädter „Willkommensbeutel“, der neben den Segelanweisungen für den nächsten Tag auch die eine oder andere Leckerei der lokalen Sponsoren enthielt (z.B. den guten Matjes Aquavit).

45 Gaffelsegler brechen auf zur Umrundung der Rhinplate

Glückstadt Rhinplate Rund vorm Start

Glückstadt Rhinplate Rund vorm Start

Am Samstag, dem Tag der Geschwaderfahrt, waren alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen. Die am Vorabend noch fast karibisch anmutende Sonnenterrasse zeigte sich an diesem Morgen deutlich frischer, so dass wir Traditionssegler unsere Troyer, Wolljacken und Seefahrer-Mützen zur Schau tragen konnten. Hier fand im Anschluss an Brötchen und dampfende Getränke die Skipperbesprechung statt, auf der im Grunde genommen nur klargestellt werden musste, das rechtsherum um die Rhinplate bedeutet, dass wir vom Hafen erst einmal links abbiegen mussten. Alles andere war im Grunde genommen selbst erklärend. Nur den Hinweis, an bestimmten Stellen nicht zu nah ans Ufer heran zu fahren, nahmen einige Steuerleute nicht ganz so wörtlich. Im Laufe der Wettfahrt liefen, wenn ich dem Funkverkehr richtig gefolgt bin, vier Schiffe auf Grund. Zumindest zwei davon mussten bis zum nächsten, nächtlichen Hochwasser warten. Zum Glück sind meiner Kenntnis nach alle Crews und Schiffe unversehrt geblieben. Einen anderen Bruch gab es zu vermelden, als einer der größeren Segler mit seinem Klüverbaum das Großsegel eines kleineren Schiffes durchbohrte, aber auch hier blieben alle Personen unversehrt und die Skipper können sich mal von der Leistung ihrer Haftpflichtversicherungen überzeugen.

Der Himmel zeigte sich etwas bedeckter als am Vortag und die Wolken brachten einen Nordostwind mit guten drei bis vier Windstärken mit sich, so dass eine sportliche Umrundung der Rhinplate stattfinden konnte. Ich war auch bei dieser Fahrt einhand unterwegs und hatte so die selbstwendende Baumfock gesetzt, was mir beim Aufkreuzen der Glückstädter Nebenelbe schnelle Wenden erlaubte. Bis auf einen sehr nahe gekommenen Hochseefischkutter am Leuchtfeuer Rhinplate Süd – ich hatte mitten in der Halse eine klemmende Großschot – verlief die Fahrt bei mir reibungslos und so zügig, dass ich bei Einsetzen der Gegenströmung nach der Umrundung nur noch ein kurzes Stück zu segeln hatte. Damit war ich einer der 12 glücklichen von 45 Teilnehmern, die es unter Segeln ins Ziel geschafft haben. In der Gesamtwertung landete ich auf Platz 8, was für mich als Einhandsegler ein sehr erfreuliches Ergebnis war.

Vielleicht sehen wir uns im nächsten Jahr zum 41. Rhinplate Rund – Herbsttreffen der Gaffelsegler in Glückstadt?! Ich freue mich jetzt schon darauf!

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Stefan

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