Zu meinem Lieblingshafen in der Ostsee kommt man nicht mit dem Auto

Schleimünde - Hannes Schlie Statue im Sonnenuntergang

In diesem Artikel erfährst Du, warum Schleimünde in diesem Jahr mein liebster deutscher Ostseehafen geworden ist. Aber Achtung! Es geht hier nicht objektiv zu. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Cockpit meiner Yacht mit Blick auf das Hafenbecken von Schleimünde. Das Hafenkino hat bei Windstärke 5 – 6 einige spannende An- und Ableger zu bieten. Ich bin quasi eingeweht seit 2 Tagen, da ich weiter nach Kiel möchte und die Windrichtung genau gegen an wäre. Das möchte ich mir einhand nicht antun.  Ich schaue Richtung Osten, die Sonne scheint mir ins Gesicht, der Wind sorgt für willkommene Abkühlung. Im Wasser gibt es diese momentan nur bedingt, das nasse Blau mißt an die 24 Grad Wassertemperatur, was wirklich ungewöhnlich warm für die Ostsee ist. Nach Fertigstellung dieses Textes , habe ich mir trotzdem als Belohnung ein Bad vorgenommen.

Was ist an Schleimünde so charmant?

Der Hafen liegt auf der Lotseninsel genannten nördlichen Landzunge an der Mündung der Schlei in die Ostsee. Die landseitige Verbindung wird durch ein Naturschutzgebiet begrenzt, so dass hier keine Straße hinführt. Es gibt 25 Pfähle zum Festmachen. Da die Yachten hier nur eine Heckleine nutzen sollen, entspricht das in etwa der Zahl der Liegeplätze. Wobei an einem Wochenende wie diesem auch gerne mal alle Lücken dicht gemacht werden und die Spätkommer sich zur Not auch quer hinter die Pfähle legen, um in diesem Kleinod von Hafen eine Nacht bleiben zu können. An dem nördlich gelegenen Steg, genannt „Meno-Brücke“, liegen die Boote des Hafenmeisters, dem Wirt der Giftbude, des Hafenbistros, sowie oft Jugendwanderkutter. Die Kutter, die ich gesehen habe, kamen entweder aus den an der Schlei gelegenen Ferienzentren Winnemark / Sundsacker oder dem Internat Luisenlund an der Großen Breite der Schlei.

Die strategisch gute Lage gefällt vielen Gästen

Auch sonst ist der Hafen ein gerne genutzter Zwischenhalt für Ostseesegler auf der Tour von oder nach Dänemark. Von  Mommark oder Sonderborg kommend oder von Kiel auf dem Weg nach Norden bietet sich Schleimünde oft an. Die Alternative wäre Damp. Sicher eine gute Marina, aber den Charme des Kurortes aus der Retorte muss man schon mögen.

In Schleimünde hingegen hat der Betreiber, die Lighthouse Foundation, sehr behutsam in die Infrastruktur investiert. Als Gast bist Du mit den essentiellen Dingen wie Strom, Wasser (etwas salzig/mineralisch, aber trinkbar), kleinen, aber vernünftigen sanitären Anlagen und dem Sahnehäubchen einer Sauna bestens versorgt. Neben den Seglern und Motorbootfahrern sind Kajakfahrer auf dem angrenzenden Natur-Wasserwanderplatz zu Gast, sowie hin- und wieder kleinere Gruppen, die das renovierte Lotsenhaus für Seminare nutzen. Unmittelbar am Hafen gibt es zu beiden Seiten, Ostsee als auch Schlei, Strände, die zum Baden einladen. Tagsüber schauen oft Ausflugsboote aus Kappeln vorbei, die die Ruhe und Abgeschiedenheit dieses Ortes nur kurzzeitig unterbrechen können.

Langeweile gibt es hier nicht

Langweilig war mir in Schleimünde noch nie. Der ein- und ausgehende Verkehr an der Mündung kann von den meisten Liegeplätzen optimal beobachtet werden. Die Abende lassen sich ausgezeichnet an den Grillplätzen verbringen. Ein eigener Grill muss allerdings mitgebracht werden oder Du schließt Dich irgendwo an, den es sind an jedem Sommerabend zahlreiche Feuerstellen in Betrieb. Wenn Du Dich gerne bekochen lässt oder ein frisch gezapftes Bier genießen möchtest, dann ist die Giftbude der richtige Anlaufpunkt. Am besten auf der Sonnenterrasse mit Blick auf die Schleimündung. Die kleine, ausgewählte Karte bietet einen Mix aus klassischem Bistro-Essen (Pommes, Salate) und frischen Fischgerichten. Ich kann nur sagen, dass mir das Dorschfilet noch nirgendwo so lecker geschmeckt hat wie hier. Die etymologischen Wurzeln der „Giftbude“ liegen übrigens in dem Althochdeutschen Wort „Gift“, auch aus dem Englischen bekannt, das für eine Gabe steht und nicht für tödliche Chemikalien. Früher hießen wohl viele kleine Lokale an der Küste so.

Drei abschließende Tipps:

1. Es gibt eine Bücherkiste (neben dem Hafenmeisterbüro) 🙂

2. Das Naturschutzgebiet kann täglich mit einer kurzen, 20-minütigen Führung der Ausflugsschiffe betreten werden. Die aktuellen Zeiten findest Du an der Pforte. Zur Vogelschutzwarte und einer längeren geführten Wanderung kommst Du allerdings nur über den anderen Landweg von Maasholm.

3. Im August findet hier jährlich das Festival unmarked space mit den Schwerpunkten Kunst, Politik und Ökonomiestatt.

Ich hoffe, Du hast Dir ein Bild davon machen können, wie schön es in Schleimünde sein kann. Ich mag einfach gerne kleine, naturnahe Häfen. Ich brauche beim Segeln nicht mehr Komfort als zuhause, sondern es geht mir darum, nah an den Elementen zu sein und eine gemütliche Atmopshäre zu haben. Genau das alles habe ich in Schleimünde gefunden. Ich kann Dir deshalb nur empfehlen, der Lotseninsel (mal wieder) einen Besuch abzustatten und einfach die Seele baumeln zu lassen, so wie ich es jetzt mit einem Sprung in die blauen Fluten tun werde.

Hinterlasse gerne einen Kommentar, welcher Dein Lieblingshafen an der deutschen Ostseeküste ist und warum.

   

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Stefan

2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Moin Stefan!
    Danke für die tolle Beschreibung vom Schleimünder Hafen !!
    Das trifft voll und ganz meine Zustimmung! ….. und deswegen habe ich auch das Schleimünde-Lied “Schleimünde, mein Hafen” komponiert und getextet …. und es gibt das Lied seit Anfang des Jahres (2014) als CD u.a. natürlich auch beim Hafenmeister in Schleimünde. Text und Hörprobe auf http://www.die2vonderschlei.de ;-))
    Es grüsst aus`m Turm (in SL) ! Peter ;-))

    • Moin Peter,

      freut mich sehr, dass der Artikel Deinen Geschmack trifft. Die Hörprobe klingt vielversprechend, da muss ich beim nächsten Besuch in Schleimünde wohl mal beim Hafenmeister eine CD erwerben. Oder gibts die vielleicht bald bei iTunes als mp3?

      Gode Wind!

      Stefan

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